unterirdisch ist eine nunmehr ex-künst[e]lerische(sic!) Serie eines wenig dekorierten und nunmehr eben Ex-Künst[e]lers(sic!) mit dem gutbürgerlichen Namen Ulrich Ludat.1 Die Serie nahm im Jahre 2021 nach einer seinerzeit noch künst[e]lerischen(sic!) Katastrophe im geistigkleinstenkinoderwelt mit unterirdisch #1/2 ihren holprigen Lauf und kommt im Jahre 2026 mit unterirdisch #11/12 so richtig in Fahrt.
Jede Edition der Serie unterirdisch, welche überwiegend im Rahmen der Tage der bildenden Kunst realisiert wird, die alljährlich am letzten Wochenende des Monats September vom Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken ausgerichtet werden und den sich als Künstler*innen Wähnenden der vorgenannten Stadt dazu Anlass geben, deren Ateliers zu öffnen, um Interessierten quasi am Ort des Entstehens ihren Output in einer mehr oder weniger entspannten Atmosphäre zu präsentieren, findet nicht in der möglicherweise muffigen Enge eines solchen statt, sondern irgendwo draußen, meist am Rande.
In Ermangelung eines ebensolchen findet die Produktion nunmehr ex-künst[e]lerischer(sic!) Art seit geraumer Zeit unter eben unterirdischen Bedingungen statt. Das spiegelt zum einen die räumlichen Bedingungen wider, in denen der nunmehr ex-künst[e]lerische(sic!) Output entsteht und zu seiner Realisation geradezu ausbricht, um dabei vollends einzubrechen. Dieser Raum des Entstehens reduziert sich beinahe vollständig auf den Raum, den des nunmehr ex-Künst[e]lers(sic!) Schädel als erstaunlich weite Denkräume zur Verfügung stellt, die wiederum von genetischen Faktoren, aber auch von dem dem Schöpfungsakt vorangehenden ’never-ending‘ Bildungsprozess abhängen. Dieser Raum ist zwangsläufig nicht betretbar, somit kann in ihn auch nicht geladen werden.
Es ist beinahe schon zu viel über unterirdisch gesagt worden. Denn im Gegensatz zur Geschwätzigkeit der zum Event erscheinenden und in zahllosen Exemplaren vorliegenden Broschüre zu den landeshauptstädtischen Tagen der bildenden Kunst neigt deine Wehnigkeit(sic!) dazu, sich suchen zu lassen. Viel mehr als Koordinaten eines Ortes wird bei unterirdisch in Bezug auf die Realisation nicht bekannt gegeben. Das hat einen siebartigen Effekt, bei dem diejenigen im engmaschigen Utensil hängenbleiben, deren Trägheit es ihnen nicht erlaubt, sich ein wenig mehr Mühe zu geben, als ein paar Treppen zu den Ateliers von nett vor sich hinlächelnden Künstler*innen zu überwinden. Die sollen sich dort bei Kaffee & Kuchen verschlucken und dabei versuchen, zurückzulächeln, und sich von unterirdischer nunmehr ex-Kunst tunlichst fernhalten!2
Noch etwas sei zu unterirdisch angemerkt: Es handelt sich aufgrund der an-den-Rand-Verlagerung um die Präsentation unter nicht selten äußerst widrigen Bedingungen, unter denen nunmehr ex-Kunst realisiert wird. Die Realisation der nunmehr ex-Kunst irgendwo am Rande hat stets den Charakter einer Werkstatt, bei der der Arbeitscharakter bei deren Entstehen konkret seine physische Seite zeigt. Am Anfang erlebt der Mutige den Aufbau … am Ende die Mutige deren Gegenteil. Dazwischen ist alles möglich, ohne jemals einen Endzustand des Fertigseins zu erlangen. Mitwirkung ist erwünscht und stets willkommen, bloße Rezeption ohne Austausch kaum möglich. Denn Letzteres hätte zur Folge, dass keine Kunst entstünde, auch keine ex-Kunst.
Hier wird einem Kunstbegriff gefrönt, welcher Kunst als Ergebnis einer menschlichen Praxis versteht, die eng verwoben ist mit anderen menschlichen Praktiken. Der Nimbus des Besonderen aller Künste wird von dir nicht betont, aber die Freiheit der Kunst wird bis über deren Grenzen hinweg eingefordert und vor allem praktiziert. Alles andere wäre unterunterirdisch.
Have fun!
- Die Hintergründe für das Ex-Künst[e]lertum(sic!) seit 01.01.2026 spielen bei unterirdisch keine Rolle, weshalb an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen wird. ↩︎
- Dies gilt insbesondere für ‚Hackfresse‘, den zweithöchsten Beamten des miesenkleinenlandes, dessen Ministerin für [Bildung und] Kultur sowie einige andere; Vember wird für die Durchsetzung sorgen. ↩︎